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Fantasy-Gernes – Was schreibe ich da eigentlich?

Wenn die Menschheit eines gut kann, dann ist es weitere Unterarten zu kreieren; einen nicht endenden Baum an Varianten aus der Taufe zu heben. Warum sollte dies in der Literatur anders sein?

 

Damals, als ich anfing meine ersten Geschichten zu schreiben, dachte ich noch ganz blauäugig, ich würde Fantasy schreiben.

www.scifibloggers.com/is-genre-writing-literature/genre-writing-2/

 

Meine eigens kreierte Beschreibung war „realistische Fantasy“. In der Gegenwart angesiedelt, mit klaren Gesetzen und Regeln, nur in einigen Aspekten von der uns bekannten Welt abweichend. Aufbauend auf der Frage: „Was wäre wenn …“ dieser oder jene Aspekt von dem uns Geläufigen abweichen würde?

 

Um eine Kategorisierung meiner Geschichten habe ich mich ehrlich gesagt lange nicht wirklich gekümmert, doch als ich für die PAN-Mitgliedschaft (Phantastisk-Autoren-Netzwerk – dazu demnächst mehr) angeben sollte, welches Gerne ich bediene, öffnete ich meine Google-Suchleiste und suchte erstmals nach Fantasy Subgenres. Dabei stolperte ich zuallererst über einen Beitrag zu Urban Fantasy – und dachte schon, ich hätte mein Gerne gefunden. In der Gegenwart spielend, in der realen Welt verhaftet, aber halt mit phantastischen Elementen. Das war es! Aber nein. Denn hier ist nicht nur die Großstadt Handlungsort, sondern auch die Atmosphäre eher düster. Meine Romane sind dagegen eher offen, öfter auch fröhlicher Art, sie spielen zumindest zeitweise bei gutem Wetter und am Tag, und der Handlungsort ist nicht immer städtisch.

 

Zeit, Mal etwas tiefer einzusteigen, dachte ich. Denn der oben referenzierte Artikel warf gleich eine ganze Reihe weiterer Subgenres der Fantasy auf, u.a. Cyberpunk, Steampunk, Funtasy, contemporary Fantasy und magischer Realismus.

 

Hm, ein anscheinend doch komplexes Feld. Ein kurzer Blick in Wikipedia: 29 Subgenres der Fantasy sind allein dort gelistet! 

 

Nun denn: Ich machte mich an die Arbeit und extrahierte erstmal all die Subgenres, welche zumindest teilweise auf meine Romane passen. Hier die Kurzbeschreibungen:

Bildquelle: thoughtsonfantasy.com/2015/12/07/17-common-fantasy-sub-genres/  

  • Contemporary Fantasy spielt in der realen, jedoch mit einigen Fantasy-Komponenten versehenen Welt, kann jedoch neben diesem Setting auch getrennte Fantasy-Settings beinhalten.
  • High Fantasy spielt in nicht-realen Welten, ist somit komplett getrennt von der realen Welt, wie wir sie kennen.
  • Low Fantasy unterscheidet sich von der High Fantasy in sofern, dass erstere in der realen Welt spielt (die Epoche oder Zeit spielt dabei keine Rolle), jedoch in dieser realen Welt Fantasy-Aspekte vorkommen.
  • Magischer Realismus (aka Fabulism) spielt in der realen Welt und reichert diese mit Fantasy-Komponenten an. Auf den ersten Blick scheint dieses Subgenre damit dem Contemporary Fantasy sehr ähnlich zu sein. Doch es gibt ein paar wesentliche Unterschiede. So werden phantastische Elemente im magischen Realismus nicht hinterfragt oder erklärt – sie werden als normal dargestellt.
  • Funtasy (humoristische Fantasy) beschäftigt sich mit Fantasy, welche sich über Elemente genau dieser lustig macht. Aber auch grundsätzlich humorvolle Fantasy-Werke von z.B. Neil Gaiman oder Terry Pratchett gehören dazu.
  • Mystery: Oft als eine Mischung aus Horror- und Fantasy-Elementen verstanden, spielt hier auch der Umgang mit phantastischen Elementen eine wesentliche Rolle bei der Abgrenzung zu anderen Subgenres. In Mystery bleibt vieles (erstmal) verborgen bzw. ist einiges nicht eindeutig und der Leser erfährt ggf. erst sehr spät, was sich wirklich hinter den phantastischen Elementen verbirgt.

Auch wenn meine Romane nicht ganz uneindeutig in diese Kategorien passen, hier meine Interpretation:

  • Flimmernde Schatten: Contemporary Fantasy
  • Vierjährling: Contemporary Fantasy / Low Fantasy
  • Achtbeinige Seelen: Contemporary Fantasy
  • Sevy Lemmots: Funtasy / Magischer Realismus
  • Zeittüren: Contemporary Fantasy
  • "Freizeitpark" (Q4, 2020): Mystery

 

Die beschriebene theoretische Übung (nach etwa 20 Jahren schriftstellerischer Tätigkeit) war dann doch recht interessant und führte darüber hinaus zu einem Bonuseffekt: Denn allein die Begriffe „Science Fantasy“ und „Weird Ficion“ generieren wie von selbst neue Ideen.