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Lessons Learned: Der Beginn einer Geschichte zählt zehnfach!

Flimmernde Schatten hat die zweite Rezension bekommen. Und obwohl sie positiv ausfällt, zeigt sie genau, wo eine der größten Herausforderungen für einen Autor liegt: Bei den ersten paar Seiten:

Flimmernde Schatten war mein erstes Buch in Romanlänge. Ich habe in den Jahren seit der ersten Version vor allem den Anfang immer mehr eingekürzt, weil es ganz einfach zu lange dauerte, bis der Einstieg in die richtige Geschichte erfolgte. Und an der Rezension erkennt man, dass es immer noch Verbesserungsbedarf geben könnte. Denn eine Story kann noch so faszinierend sein: Wenn das Fesseln des Lesers erst ab Seite zehn erfolgt, ist das zehn Seiten zu spät. Das Risiko liegt auf Seiten des Autors: Er verliert den Leser und riskiert, dass dieser ein Buch dauerhaft zur Seite legt, welches ihm ab der elften Seite gut gefallen hätte.


Was also tun? Ich habe bei meinen letzten Büchern Möglichkeiten erörtert, Einstiege in die Geschichte zu kreieren, die folgendes kombinieren:

* Eine Atmosphäre der Spannung

* Eine unklare Situation

* Ein außergewöhnliches Umfeld

* Ein Protagonist in Angst oder Bedrängnis

* Das Aufwerfen einer Vielzahl an Fragen

Dabei müssen vor allem die Fragen nicht sofort beantwortet werden. Vielmehr sollen sie das Interesse des Lesers wecken und sie oder ihn über die unter Umständen nun folgende Brücke in die (in meinem Fall meistens) chronologisch erzählte Geschichte führen.


Hierzu zwei Beispiele:

* Der Beginn von Achtbeinige Seelen: Aus der Ich-Perspektive erzählt Nick, wie er - halb benebelt - in einem Gefängnis aufwacht. Einem weichen Gefängnis, in dem er zusammen mit einer weiteren Person eingesperrt ist. Erst am Ende des Prologs stellt er fest, dass er sich als Säugling im Bauch seiner Mutter befindet und im Begriff ist, geboren zu werden. Das erste Kapitel stellt anschließend klar, dass er diese Geschichte gerade seinem Chef erzählt, um deutlich zu machen, dass er sich nicht nur an seine eigene Geburt, sondern auch an sein davor liegendes Leben erinnern kann. Zu diesem Zeitpunkt ist das Interesse des Lesers hoffentlich schon ausreichend geweckt, so dass er/sie nun dem Aufbau der Story weiter folgen wird.

* Der Beginn von "Vierjährling" (Veröffentlichung voraussichtlich im März 2015): Ich habe eine Szene ziemlich genau aus der Mitte des Buches an den Anfang gesetzt. Quadro, die Hauptfigur, flieht um Mitternacht inmitten eines Feldes in Irland vor einer Ansammlung von Hexen, dabei begleitet von zwei Schwestern, eine davon ein unheimliches junges Mädchen von nur sechs Jahren, welche die Befehle zu geben scheint. Die nur wenigen Seiten werfen eine Vielzahl an Fragen auf, welche sich nur dann erschließen, wenn man weiterliest ...


Ich werde hier demnächst den Prolog von meinem momentan in Arbeit befindlichen Buch "Freizeitpark" (Arbeitstitel) veröffentlichen, in dem ich versucht habe, erneut meine eigenen oben gegebenen Ratschläge zu befolgen. Lasst mich dann gerne wissen, ob die ersten Seiten zum Weiterlesen animieren!

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