Fast fertig ... Nur noch eine Version ... Bald ...

Es war still auf dieser Seite, die letzten paar Monate. Dabei gab es tatsächlich nicht nur unproduktive Wochen (die aber leider auch). Während der selbst-verordneten Pause bei "Freizeitpark" habe ich mich auf das davor geschriebene Buch besonnen: Nennen wir es der Einfachheit halber "Buch 5".

 

Buch 5 hat seinen Anfang vor guten 12 Jahren gefunden. Drei Seiten lang war

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damals der allererste Anfang mit ein paar Ideen. Was dann kam, war ein schrittweises Ausarbeiten der Idee, erste Textbrocken - und dann eine längere Pause. Zwischen 2010 und 2013 passierte relativ wenig, vor allem aufgrund der Geburt mehrerer Kinder, eines Studiums, eines internationalem Umzugs und neuer Aufgaben. Erst 2015 schaffte ich es, eine erste Version zu vervollständigen. Diese verschwand dann - wie momentan "Freizeitpark" - in der Schublade. Um ein wenig Abstand zu der Story zu bekommen. Doch Ende letzten Jahres holte ich das Buch wieder hervor, las es durch, fand neue Schwachstellen, Inkonsistenzen und Längen. Auf diesen Prozess werde ich vermutlich 2019 in mehr Detail eingehen, wenn "Freizeitpark" wieder hervorgekramt wird. Das Ziel meines heutigen Beitrags zielt dagegen eher auf das Hauptproblem, welches der Computer für den Autor mit sich bringt.

Problem?

Welches Problem kann der Computer schon verursachen?

Hat er das Schreiben nicht unermesslich vereinfacht?

 

Auf der einen Seite ist der Computer, beziehungsweise das Programm zur Textverarbeitung sicherlich eine unglaubliche Erleichterung. Ich kann mir persönlich kaum vorstellen, ein Buch vollständig gedanklich vorzukonzeptionieren und dann in einem Schwung

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in leserlicher Qualität zu Papier zu bringen. Der (mein) Arbeitsvorgang ist vielmehr iterativ, wie ich in der Blog-Reihe "Der Schreibprozess" ausführlich erläutert habe. Allerdings bringt dies eine damit direkt verbundene Herausforderung mit sich: Wie viele Iterationen sind eine zu viele?

 

Grundsätzlich muss eine Story erstmal den leserlichen Zustand erreichen. Dann wird daran gefeilt, sie wird test-gelesen, weiter angepasst, korrigiert, schließlich Grammatik und Rechtschreibung geprüft, ... und von vorne angefangen. Ich durchlaufe diesen Prozess mindestens drei Mal, bei älteren Werken gab es vermutlich über die Jahre sogar mehr Iterationen. Sogar nach dem Druck kann ich mich nicht wirklich zurücklehnen, und nehme weiter Korrekturen vor. Zum Beispiel wenn ich meinen Kindern aus meinen Büchern vorlese. Der digitale Druck und BoD machen eine fortlaufende Optimierung des Textes möglich.

Es gibt somit nie einen wirklichen Endpunkt: Verbesserungen sind immer möglich und relativ problemlos umsetzbar.

 

Die Kehrseite der Medaille ist sicherlich, dass der Text irgendwann zu geschliffen werden könnte. Alle Kannten und Ecken verschwinden.

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Denn je nach Laune bin ich mehr oder weniger "mutig" bei bestimmten Passagen. Sei es beim Humor, bei Emotionen oder Beschreibungen. Je öfter ich den Text überarbeite, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich die betreffenden Stellen aufgrund einer weniger offenen Laune streiche/ersetze. Dies ist nicht immer (selten) zum Vorteil des Buches. Mir ist leider bei einigen Texten durch diesen Prozess ein Stück "Identität" der ursprünglichen Atmosphäre verloren gegangen.

Hier hilft allerdings wieder der Computer: Textdateien nehmen kaum Speicherplatz ein, und so kann nach jeder wesentlichen Änderung eine neue Version gespeichert werden. Die alten - gegebenenfalls besseren - Versionen sind damit nicht unwiderruflich verloren.

 

Trotz der Erkenntnis, dass zu viel Korrektur einem Text nicht gut tut, glaube ich nicht, dass ich die bereits veröffentlichten Bücher auf ewig auf sich beruhen lassen werde. Es gibt die (Binsen)Weisheit, dass nach jeweils 10.000 Stunden Praxis ein Qualitätssprung der Fertigkeit stattfindet. Das soll für das Spielen eines Musikinstruments, Sportarten, aber auch das Schreiben gelten. Damit sollte ich in der Lage sein, mit wachsender Erfahrung auch besser korrigieren/schreiben zu können. Weitere Iterationen sind somit vorprogrammiert.