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Schreibprozess (am Beispiel des Buches "Freizeitpark") Schritt 1: Die Ausarbeitung der Ideensammlung 

Nach einigen Wochen der Homepage-Erstellung und der Veröffentlichung der ersten 3 (von bisher 5) Büchern habe ich mich nun endlich wieder mit einer neuen Geschichte beschäftigen können. Arbeitstitel "Freizeitpark". Da ich lernen musste, dass jeder einen anderen Prozess beim Schreiben nutzt, wollte ich diese neue Geschichte zum Anlass nehmen, um parallel meine persönliche Vorgehensweise darzustellen. Es scheint Autoren zu geben, die extrem überlegt und strukturiert an die Sache rangehen, die ganze Geschichte quasi schon im Kopf ausformuliert haben. Andere sehen den Schreibprozess eher als spontane Übung.

Ich gehöre zu keiner der beiden Gruppen, sondern beschreite einen Mittelweg.


Grundsätzlich dauert ein Buch von der Idee bis zur korrigierten Endfassung bei mir um die 18 bis 24 Monate. Vorausgesetzt, es kommt keine Geburt eines weiteren Kindes, ein Umzug oder ein neuer Job dazwischen. Erstaunlicherweise treten die genannten Ereignisse dann aber doch recht oft ein ...

Dabei muss noch erwähnt werden, dass sich der Zyklus der Bücher überschneidet: Während ich über den Ablauf einer Geschichte brüte, korrigiere ich das vorhergehende Buch noch.


Die Idee, einen Freizeitpark als Handlungsort für eine Geschichte zu nutzen, ist vermutlich schon einige Jahre alt. Vermutlich kam sie mir, als ich 2008 diesen verlassenen Freizeitpark vor den Toren von Peking besuchte (Bildquelle: Business Insider):

Ein der Natur überlassener Freizeitpark. Dazu muss fast schon zwingend etwas geschrieben werden.


Ich habe einen Notizblock, in dem ich einzelne Ideen, die ab und zu aufkommen, festhalte. Komme ich dann zu dem Zeitpunkt, dass ich wieder Zeit für das Schreiben einer Geschichte habe, so schaue ich in meine Notizen und überlege mir, ob sich daraus etwas Neues schaffen lässt. In der Regel reichen ein oder zwei Notizen, um zumindest das Grundgerüst einer mich reizenden Geschichte zu errichten. Dies spiegelt sich in den "was-wäre-wenn"-Fragen wieder. So war der ursprüngliche Hauptgedanke bei "Flimmernde Schatten": Was wäre, wenn im Traum kreierte Welten tatsächlich real werden würden? Bei "Achtbeinige Seelen" war die Basisfrage: Was wäre, wenn Seelen unsterblich sind und Tierseelen in Menschenkörpern wiedergeboren werden könnten?


Dann nehme ich mir einfach ein wenig Zeit. Beim Hineindenken in das herausgesuchte Konzept ergeben sich dann über einige Wochen oder Monate hinweg neue Schnipsel, welche ich nun alle in einer unsortierten Liste festhalte. Das funktioniert bei mir dann gut, wenn ich alleine unterwegs bin und mich absichtlich in der neuen (erdachten) Umgebung umsehe.


Wenn die Liste auf einige Seiten angewachsen ist, versuche ich sie im nächsten Schritt in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Bei diesem Sortieren, welches in der Regel relativ undankbar ist, tauchen immer eine große Anzahl an Problemen, Logikbrüchen, langweiligen Passagen, fehlende Konflikte, usw. auf. Gerade diese Erkenntnisse sind zwar frustrierend, aber auch sehr wertvoll.


Die zweite Runde der Ideenfindung beginnt. Denn nun steht bereits eine grobe Struktur - mit der Vielzahl an Lücken-, welche ein besseres Hineindenken in die neue Welt erlaubt. Neue Schnipsel werden festgehalten, teilweise sogar kurze Abschnitte geschrieben. Anschließend wird wieder sortiert.

Dieser iterative Prozess setzt sich fort, bis ich an der Stelle bin, dass zumindest die grobe Geschichte steht und die erste Hälfte einigermaßen detailliert herausgearbeitet ist. Das ist aus meiner Sicht recht anschaulich im folgenden Bild dargestellt, welches eigentlich für den mathematischen Unterricht geschaffen wurde (Quelle: 4teachers)

Folgende Punkte sind bei diesem iterativen Prozess aus meiner Sicht wichtig:

  • Der Anfang der Geschichte sollte eine Menge Fragen aufwerfen - aber gleichzeitig nicht so verwirrend sein, dass der Lesende den Faden verliert. Hier ist es für mich immer recht schwierig, die richtige Balance zu finden. Immerhin kenne ich beim Lesen ja bereits den Hintergrund.
  • Essentiell und nie aus den Augen zu verlierend ist die Frage, auf Basis welcher Ratio die einzelnen Charaktere handeln. Jeder Handelnde braucht mindestens einen nachvollziehbaren Grund für seine Entscheidungen. Das hört sich einfach an, wird aber bei der Konzeption schnell aus den Augen verloren. Es ist deutlich einfacher, den Bösen einfach böse sein zu lassen. Doch ohne Grund schadet i.d.R. niemand einer anderen Person. Eine Geschichte verliert bei fehlender Ratio der Handelnden aus meiner Sicht schnell an Glaubwürdigkeit.
  • Komplexität. Wenn von vornherein die Zusammenhänge vollständig erfassbar sind, wird es schwierig einen Spannungsbogen zu kreieren. Je nach Genre spielt dieser Punkt eine wesentliche oder auch nur untergeordnete Rolle.


An dem Punkt einer mehr oder weniger vollständigen Geschichte bin ich momentan für "Freizeitpark" angelangt. Das grobe Gerüst der Story steht. Wobei es sich sogar um zwei überlagerte Geschichten handelt: Eine Vordergründige und eine, die erst im vorletzten Kapitel vollends erklärt wird und einen deutlich weiteren Rahmen spannt. Das Ende ist wie so oft kein vollständiges Ende (wie fast alles im Leben :-)). Mehr möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, außer dass es etwa acht Seiten an Bulletpoints sind, in geplanten 25 Kapiteln. Erfahrungsgemäß sollten das nachher so um die 450 Standardseiten werden, also grob der Umfang von "Flimmernde Schatten".


Der nächste Schritt ist die Ausarbeitung der Charaktere und Spielorte. Dazu demnächst mehr.

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